Ein Reisebericht

 

 

Tag 1

Seit fast 24 Stunden sitze ich jetzt im Zug nach Arvika in Schweden. Obwohl ich müde bin, bereue ich meine Entscheidung kein bisschen. Es ist herrlich! Der Reisestress auf den Autobahnen mit dem Auto, oder beim Flug an den Zollschaltern und Kontrollen, fällt einfach weg.

Man kann die Gedanken genauso ziehen lassen, wie die Landschaften am Fenster vorbeifliegen. Sonne, Wolken, Wind und Regen wechseln sich ab, ohne eine Auswirkung auf mich zu haben. Wenn ich recht drüber nachdenke, habe ich diesen ganzen Tag gebraucht um überhaupt im Urlaub anzukommen. Bis jetzt war in meinem Kopf überhaupt keine freie Kapazität zum Denken. Nach und nach kann ich all die Anspannungen und Herausforderungen hinter mir lassen. Ich lasse sie einfach an den Haltestellen und Bahnsteigen meiner bisherigen Reise zurück. Ich nehme an, dass sie dort gut aufgehoben sind. Am hektischen Bahnhof in Ringsted, mit seinen früh-montag-morgendlichen Handwerkern oder dem kleinen romantischen Bahnhof in Kil, der die wenigen Rucksackreisenden friedlich zum Innehalten einlädt.

Mein Rucksack ist zwar voll und schwer, mein Herz aber, ist jetzt leicht und voller Freuede auf die vor mir liegende Reise.

 

 

Tag 2

Der erste Tag in der schwedischen Natur beginnt gemütlich. Vom leisen rascheln der Schlafsäcke und flüsternden Stimmen wache ich auf. Meine ersten Gedanken wenden sich der Nacht zu und dem traumlosen Schlaf. Wahrscheinlich ist er dem schlauchenden Reisetag und der frischen Luft geschuldet. Obwohl es regnet entscheide ich mich für eine Erfrischung im nahegelegenen See. Die wenigen Schritte hinunter ans Ufer wecken mich langsam auf. Er riecht nach nassem Gras und Waldboden. Dicke Pilze wachsen zwischen zwei Birken direkt am Weg und dienen einer Nacktschnecke als Frühstück.

 

 

Tag 3

Nach der ersten kurzen Einstiegsetappe haben wir die Nacht an einem Lagerplatz direkt am See verbracht. Noch brennt das Feuer und Rauch steigt zwischen den Kiefern hoch. Wir sind bereit die zweite Etappe in Angriff zu nehmen, halten aber nochmal für ein paar Minuten inne und Ruhe legt sich über den See.

Der Wind rauscht durch die Bäume am gegenüberliegenden Ufer und vereinzelt fallen dicke Tropfen aus den Bäumen auf den weichen Waldboden. Ich sitze oberhalb der Hütte auf einem Felsen, von welchem aus ich zwischen den Baumwipfeln auf den See unter mir schauen kann. Jetzt kann ich die Geschäftigkeit des Lagerlebens hinter mir lassen. Von diesem Innehalten wünsche ich mir mehr, denn ich habe Sorge, dass die Zeit zu schnell vergeht.

Der Regen, der über den See immer näher kommt, treibt uns zum Aufbruch.